Mittwoch, 21.01.2026

Bargeldmanagement 2026: Diese Trends sollten Retailer, Banken und Wertdienstleister im Auge behalten

Die Feiertage sind vorüber, der Alltag hat uns langsam wieder. Und es bleibt Zeit, sich einmal tiefergehend mit dem neuen Jahr zu befassen. Zeichnen sich neue Trends ab? Ist schnelles Handeln gefragt, um dem Wettbewerb nicht schon zu Jahresbeginn einen entscheidenden Schritt hinterher zu sein? Wir haben zusammengefasst, was 2026 für das Bargeldmanagement mit sich bringt. 

Bargeld ist gelebte Freiheit – und bleibt es

Es bleiben die zentralen Fragen – und Ausgangspunkte für alle Antworten: Wie wird sich die Bargeldnutzung verändern und wie dessen Bedeutung? Die Entwicklung der letzten Jahre wird auch künftig anhalten. Immer weniger nutzen in Deutschland Münzen und Scheine. Eine Befragung der Europäischen Bundesbank hat gezeigt, dass der Großteil der Deutschen unbare Zahlungsmittel bevorzugt. Und trotzdem zeigt ein Monatsbericht der Deutschen Bundesbank ein zentrales Meinungsbild: Gut zwei Drittel der Gesellschaft stuft Bargeld weiterhin als relevant und bedeutsam ein. 

Anonymität, Kontrolle und Sicherheit tragen hierzu einen wesentlichen Teil bei. Aspekte, die bei digitalen Alternativen häufig misstrauisch hinterfragt werden, sind bei Bargeld vollumfänglich erfüllt. Bares Bezahlen ist somit mit Freiheit verbunden und ein gesellschaftliches Gut. Dieses möchten viele nicht missen, auch wenn sie selbst häufiger zu unbaren Bezahlmöglichkeiten greifen. 

Drei Blickwinkel: Bargeldmanagement im Jahr 2026

Bargeld gilt laut einer Pressenotiz der Deutschen Bundesbank als günstigstes Zahlungsmittel für Händler, wenn es um die Kosten je Zahlung geht. Betrachtet man zudem die Anzahl der Einkäufe, zeigt sich laut der EHI-Studie „Zahlungssysteme im Einzelhandel 2025“, dass Bargeld noch bei mehr als der Hälfte (54,6 Prozent) der rund 20 Milliarden Transaktionen in 2024 zum Einsatz gekommen ist. Damit nimmt aber gleichfalls die Notwendigkeit zu, das Management von Münzen und Banknoten effizient zu regeln. Retailer, Finanzinstitute und Wertdienstleister sollten dabei folgende Entwicklungen im Blick behalten. 


Retail

Trend 1: Bargeldknotenpunkt POS

Das Umfeld ändert sich: Geldautomaten werden 2026 weiter stetig zurückgebaut, zugleich wollen Kunden ausreichend Möglichkeiten vorfinden, um an Bargeld zu gelangen. Händler werden daher zunehmend zu Knotenpunkten im Bargeldkreislauf – als Auszahl- oder Einzahlstelle. Ein Trend, der sich schon im vergangenen Jahr laut „Retail Cash Management Global Market Report 2025“ abgezeichnet hat – und anhält. 

Ganz konkret

  • Händler integrieren Einzahl- bzw. Auszahlservices für Bargeld direkt am POS.
  • Geräte wie Cash-Recycler oder Smart-Safes werden in Filialen häufiger eingesetzt und direkt mit Wertdienstleistern oder Banken vernetzt.
  • Automatisierte Erfassung von Tresorbeständen und Echtzeit-Transparenz über Bargeldbestände und -bewegungen werden Standard, beispielsweise über Dashboards für Filialleiter und Management.


Trend 2: Daten und Automatisierung

Bargeldmanagement ist eine komplexe Aufgabe und zieht aufwendige Prozesse nach sich. Dass die Digitalisierung hier ansetzt, um Filialen und Mitarbeiter zu entlasten, ist keine Neuheit. Doch in vielen Organisationen bleibt die Digitalisierung des gesamten Bargeldprozesses aus – vor allem, weil es an einer soliden Datenbasis fehlt. Dieser Mangel kann auch die Umsetzung neuer Trends wie automatisierte Monitoring- und Analyse-Lösungen im Cash-Handling verhindern. Deshalb heißt es 2026 dringender denn je: Datenbasis schaffen!

Ganz konkret

  • Daten über Bargeldflüsse, Kassenabschlüsse, Stornos und ungeplante Zugriffe auf Tresorgelder werden genutzt, um Unregelmäßigkeiten frühzeitig zu erkennen.
  • Durch die Konsolidierung der Daten von Kasse, Bestandsveränderungen im Tresor oder Smart Safe und Wertdienstleister werden Medienbrüche reduziert.
  • KI, Algorithmen und Workflows  unterstützen das Filialmanagement automatisiert und helfen, Kosten zu senken.


Trend 3: Vertrauen als Wettbewerbsvorteil

Serviceangebote wie Bargeldauszahlung oder mobile (Self-)Checkouts verändern das Kundenerlebnis. Eine Analyse von Capgemini zu den Top-Trends im Retail 2026 weist darauf hin, dass Vertrauen zum echten Profitbringer werden kann. Kunden möchten sicher sein, dass Zahlungen – ob bar oder digital – transparent, sicher und nachvollziehbar ablaufen. Händler, die dies glaubwürdig vermitteln, können sich deutlich vom Wettbewerb abheben. 

Ganz konkret

  • Moderne Kassen- und Bargeldsysteme dokumentieren Zahlungsvorgänge lückenlos und schützen Daten. KI-basierte Sicherheitsfunktionen und Audit-Trails schaffen Transparenz ohne Mehraufwand.
  • Automatisierte Workflows sorgen für zuverlässige Prozesse rund um alle Zahlungsvorgänge und das Cash Management.
  • Trotz Automatisierung bleiben persönliche Ansprechpartner und Schulungen zur sicheren Bargeldhandhabung essenziell.

Save the dates: CashCon 2026 & ESTA

Auch auf der diesjährigen CashCon wird Bargeld im Wandel wieder Thema sein. Vom 03. bis 04. Februar dreht sich in Köln alles um Bargeldlogistik und Zahlungsverkehr und die Frage, wie sich die Zukunft durch den Handel und die Banken mitgestalten lässt. 

Hier können Sie sich zur CashCon 2026 anmelden. 

Außerdem trifft sich die Branche vom 07. bis 09. Juni in Berlin auf der ESTA Conference and Exhibition. Im Mittelpunkt steht wie jedes Jahr Bargeld als Zahlungsmittel, das sicher und effizient bleiben muss. 

Die Anmeldung zur ESTA Cash 2026 findet über diese Seite statt. 

Unser BargeldDialog Handel findet 2026 erneut statt. Näheres zum Datum, Programm und Veranstaltungsort folgt, sobald die Planung abgeschlossen ist. Gerne informieren wir Sie aktiv zum Event. Dafür können Sie sich zu unserem Newsletter anmelden. 


Banken und Finanzinstitute

Trend 1: Struktureller Wandel – vom Bargeldversorger zum Digital-Cash-Hub

Banken sind zunehmend gefordert, nicht nur Konten und Zahlungen zu verwalten, sondern digitale Treasury-Services zu orchestrieren: Transparenz über Liquidität, integrierte Datenflüsse und automatisierte Steuerung inbegriffen. EY beschreibt, dass virtuelle Kontostrukturen, KI/ML-gestützte Forecasts und zunehmend auch digitale Assets, zum Beispiel Stablecoins/tokenisierte Einlagen, das Cash Management der nächsten Jahre prägen.

Ganz konkret

  • Banken stellen Cockpits bereit, die nahezu in Echtzeit (Just-in-time-Reportings) erzeugen.
  • Zu jeder Bewegung wird nachvollziehbar, welche Transaktionen erfolgt sind (Ein-/Auszahlung, Befüllung, Abholung, Zählung, Gutschrift) – und welche Auftragsdaten zugrunde liegen (Zeitfenster, Beträge, Servicelevel, referenzierte Kasse/Filiale/ATM).
  • Standardisierte Schnittstellen verbinden Bank-, Handels- und CIT-Daten (Auftrag, Tracking, Zählprotokoll, Abrechnung), sodass Cash-Prozesse durchgängig dokumentiert und vergleichbar werden – statt verstreuter Informationen über Mail, Telefon oder Insellösungen.


Trend 2: Smartes Bargeld für technologische Effizienz

2026 wird Cash Management im Sinne von Liquiditäts- und Zahlungsmanagement deutlich stärker automatisiert: weg von Batch-Prozessen und manueller Abstimmung, hin zu Echtzeit-Reconciliation, Intraday-Sweeps und „algorithmischer“ Liquiditätssteuerung. EY nennt als nächste Schritte unter anderem Virtual Accounts, AI-Forecasting und Algorithmic Liquidity Engines für Pooling und Intercompany-Moves. 

Ganz konkret

  • Virtuelle Konten erhöhen volle Transparenz über Cash-Bestände und -Bewegungen.
  • Ruhendes Bargeld lässt sich identifizieren.
  • KI-Modelle dienen als Frühwarnsysteme für Engpässe oder unnötige Überschussbestände.


Trend 3: KI als Assistent

Die nächste Evolutionsstufe im Banking ist nicht mehr nur digital, sondern intelligent. Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen werden 2026 zum festen Bestandteil bankinterner Prozesse – von der Risikoanalyse über das Liquiditätsmanagement bis hin zur personalisierten Kundenberatung.

Ganz konkret

  • Systeme erkennen Muster in Echtzeit – etwa in Zahlungsströmen, Kreditrisiken oder Betrugsversuchen – und liefern Handlungsempfehlungen, bevor Probleme entstehen.
  • Kunden erhalten automatisiert Angebote, die auf sie zugeschnitten sind.
  • KI optimiert interne Abläufe – etwa durch automatisierte Liquiditätsprognosen, dynamische Preisgestaltung oder die Priorisierung von Serviceanfragen.


Wertdienstleister

Während Transport, Bearbeitung und physische Sicherheit weiterhin Kerngeschäft bleiben, werden Digitalisierung, Integration und Prozessintelligenz zunehmend wichtiger, um sich gegenüber dem Wettbewerb behaupten zu können. Der klassische CIT-Prozess wird heute bereits durchgängig digital unterstützt – von der Auftragsvergabe, über den WTU-Stopp in der Filiale bis zur Gutschrift. Auftragserfassung, Tracking, Zählprotokolle und Abrechnungen laufen über Schnittstellen. Ein Trend, der auch im nächsten Jahr anhält.

Der nächste Schritt wird in den kommenden Monaten die Nutzung Künstlicher Intelligenz sein.

Übrigens: Wir bei ALVARA untersuchen die Verwendung von KI für die Tourenplanung und -disposition, um die Einsatzleitung bei der steigenden Komplexität zu unterstützen. 

Ganz konkret

  • Die Zusammenarbeit zwischen allen Bargeldakteuren wird enger: Standardisierte APIs und Plattformen schaffen gemeinsame Prozesslogiken und machen Abläufe vergleichbar, effizienter und transparenter.
  • Die Auftragserfassung durch die Kunden auf einer WTU-eigenen Plattform reduziert künftig die verschiedenen Kommunikationswege via Mail oder Telefon.
  • Automatisierung gewinnt an Bedeutung. Effizienz entsteht künftig nicht mehr nur auf der Straße, sondern auch in der Datenintegration.
  • KI-gestützte Tourenplanung und dynamische Routenoptimierung sind nach Digitalisierung und Automatisierung die nächsten Schritte.
  • KI-Trends gehen künftig stärker in Richtung Predictive Cash Forecasting, Anomalieerkennung in Zähl- und Abrechnungsdaten, KI-gestützte Kapazitäts- und Schichtplanung oder Dokumenten- und Reklamationsautomatisierung mittels KI.

Transformation für Kundenzufriedenheit

Das Hausaufgabenheft für das neue Jahr ist also schon jetzt gut gefüllt. Die To-dos aufzuschieben, wäre keine gute Idee. Schließlich bringt der zunehmende Fokus auf Digitalisierung, Automatisierung und den KI-Einsatz neben Effizienz, Sicherheit und Transparenz vor allem Kundenzufriedenheit mit sich – und somit ein zukunftssicheres 2026.  


2026 soll sich auch in Ihrem Unternehmen einiges in Richtung Digitalisierung und Automatisierung ändern? Lassen Sie uns gerne Ihre Möglichkeiten für das moderne Bargeldmanagement besprechen.