„Auch ein schwieriges Marktumfeld bietet Chancen für WDL“ – Dr. Markus Lehnert von Beck Sicherheitsdienst im Interview

Bargeld befindet sich im Wandel – und damit alle Branchen, die im Bargeldkreislauf eine Rolle einnehmen. Themen wie Digitalisierung, zunehmende Regularien und strukturelle Veränderungen sind prägend. Für viele Wertdienstleister stellt sich daher die Frage, wie sie wettbewerbsfähig bleiben und sich gegebenenfalls neu positionieren können.
Zum Jahreswechsel haben wir mit Dr. Markus Lehnert, Geschäftsführer bei BS Beck Sicherheitsdienst GmbH & Co. KG, gesprochen. Sein Ausblick für 2026: positiv!
Tradition trifft auf Moderne
ALVARA: Herr Dr. Lehnert, Sie sind seit 2009 Geschäftsführer der UGL Unternehmensgruppe Gregor Lehnert. Seit über 100 Jahren kümmert sich die Firma um Sicherheitsfragen ihrer Kunden. Können Sie uns kurz die Geschichte von der BS Beck Sicherheitsdienst GmbH & Co. KG als Geld- und Wertdienstleister und Teil der UGL skizzieren? Wie hat sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren entwickelt?
Dr. Markus Lehnert:
Sehr gerne. BS wurde 1992 von Diether Beck gegründet – zuerst als traditioneller Dienstleister für Werk- und Objektschutz. Seit 2002 ist das Unternehmen auch als Wertdienstleister tätig. 2009 sind die drei Standorte in Simmern (Hunsrück), Kaiserslautern und Quierschied dann Teil der UGL geworden. Wir dürfen uns selbst als Full-Service-WDL-Anbieter für Banken und den Handel wie auch für Kommunen, Gastronomie, Museen, Spielhallen, Waschanlagen, Veranstaltungsdienstleister und viele mehr bezeichnen. Überall, wo Bargeld anfällt, oder auch Wechselgeld in Form von Münzen gebraucht wird, ist BS verlässlicher Partner.
Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren, insbesondere nach der Corona-Pandemie grundlegend positiv entwickelt, um Qualität, Zuverlässigkeit und Flexibilität weiter sicherstellen zu können. Das konnten wir dank unseres Erfolgsfaktors Nummer 1 schaffen: unserem grandiosen Team. Unsere Kollegen, die die Dienstleistung tagein, tagaus zuverlässig und flexibel erbringen und unseren Unternehmenswerten loyal gegenüberstehen, sind letztlich entscheidend.
Worin unterscheiden Sie sich von den großen nationalen Playern?
Durch unsere langfristige Unternehmensorientierung als inhabergeführtes Familienunternehmen steht für uns der Mensch im Mittelpunkt. Wir kümmern uns intensiv und leidenschaftlich um unsere Kunden ebenso wie um unsere Mitarbeiter. Eine positive Ausrichtung, die viele Mittelständler leidenschaftlich verfolgen. Außerdem fußt unsere Dienstleistung auf drei Säulen: Qualität, Zuverlässigkeit und Flexibilität, was bei großen Wertdienstleistern nicht immer gegeben ist.
Welche Rolle spielt die regionale Verwurzelung im Saarland und in Rheinland-Pfalz für Ihr Geschäft und Ihre Unternehmenskultur?
Wir sind von hier – und für die Leute hier da. Die regionale Nähe schafft eine persönliche Beziehung zu unseren Kunden und Partnern. Schließlich kennen wir die Gegebenheiten vor Ort. Dies fördert ein hohes Maß an Vertrauen, das in einem sensiblen Bereich wie dem sicheren Werttransport unerlässlich ist.
Unsere Mitarbeiter kommen ebenso alle unmittelbar aus der Region. Sie identifizieren sich stark mit unserem Unternehmen. Dies führt zu einer niedrigeren Fluktuation, höherer Loyalität und einem größeren Verantwortungsbewusstsein für die übertragenen Aufgaben.
Die kurzen Wege ermöglichen es außerdem, die Ohren offen zu halten für Sorgen und Nöte unserer Kunden und Mitarbeiter – und darauf schnell einzugehen.
Wandel als Chance
Das Unternehmen blickt auf eine lange Unternehmensgeschichte zurück, in der sich viel gewandelt hat. Aktuell bringt das Marktumfeld neue Herausforderungen mit sich. Was bedeutet das für Wertdienstleister?
Das Wichtigste vorweg: Auch ein schwieriges Marktumfeld bietet Chancen für Wertdienstleister. Ich würde sogar noch weiter gehen: Gerade im Umbruch liegen Potenziale, sich weiterzuentwickeln. Wir sollten den Blick nicht ständig auf die Vergangenheit richten – Stichworte wie Heros oder frühere Skandale helfen niemandem weiter. Entscheidend ist, Branchenstolz zu entwickeln und unsere Rolle als unverzichtbarer Teil der Bargeldinfrastruktur selbstbewusst zu vertreten. Gute Ideen helfen zudem, Hürden zu überspringen.
Welche Trends spüren Sie aktuell am stärksten?
Seit ein paar Jahren geht die Zahl der Geldautomaten kontinuierlich zurück. Die Argumente sind aus Sicht der Banken nachvollziehbar: Steigende Kosten für die Bargeldlogistik, ein höheres Sicherheitsrisiko durch Sprengungen und ein verändertes Nutzerverhalten machen sie wirtschaftlich unattraktiver. Diesen Rückbau der Bargeldinfrastruktur spüren wir als Wertdienstleister natürlich.
Als Partner für unterschiedliche Branchen steht für Sie als Wertdienstleister Verlässlichkeit an oberster Stelle. Doch wie lässt sich diese Rolle in einem Markt erfüllen, der sich derzeit stark verändert?
Verlässlichkeit bedeutet für unsere familiengeführte Unternehmensgruppe, selbst in einem dynamischen Umfeld Stabilität sicherzustellen. Genau das ist aktuell eine Herausforderung: Der geplante digitale Euro, der fortschreitende Rückbau von Geldautomaten oder die zunehmende Bargeldausgabe an Supermarktkassen verändern die gewohnten Strukturen. Wir stehen damit vor einem tiefgreifenden Wandel des Bargeldkreislaufs. Unsere Aufgabe ist es, diesen aktiv mitzugestalten – durch effiziente Prozesse, moderne Technik und eine enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden. Nur so können wir die gewohnte Sicherheit und Planbarkeit auch in Zukunft bieten.
Eine ganz konkrete Veränderung: Anfang des Jahres hat das von der Bundesbank gegründete Nationale Bargeldforum vorgeschlagen, Ein- und Zwei-Cent-Münzen künftig abzuschaffen. Bargeldzahlungen sollen demnach auf fünf Cent gerundet werden. Wie sind solche Vorstöße aus Ihrer Sicht zu bewerten?
Solche Vorschläge sind durchaus nachvollziehbar. Rein logistisch betrachtet verursachen kleine Münzen hohe Kosten bei Transport und Zählung. Gleichzeitig müssen wir aufpassen, dass Bargeld nicht Schritt für Schritt unattraktiver gemacht wird. Bargeld ist gelebte Freiheit, und die Branche sollte geschlossen dafür eintreten, seine Bedeutung zu erhalten. Das heißt aber auch: Prozesse effizienter gestalten und neue Services anbieten, damit Bargeld weiterhin praktikabel bleibt.
Außerdem gilt Bargeld – zusammen mit der Girocard – als günstigstes Zahlungsmittel für den Einzelhandel. Das hat die Studie „Kosten von Zahlungsmitteln im Einzelhandel“ der Deutschen Bundesbank im vergangenen Jahr ergeben. Gebühren, Entgelte, Geräte- und Transportkosten, ebenso wie nicht-monetäre Kosten wie Zeit beim Umgang mit den Zahlungsmitteln an der Kasse und im Backoffice waren mit Bargeld und Girocard am geringsten.
Hinweis: Mehr Ergebnisse der Studie können Sie in der Pressenotiz der Deutschen Bundesbank nachlesen.
Kundenwünsche, Technologie, Prozesse
Sie sprechen von neuen Prozessen – welche Rolle spielen dabei Einzahllösungen im Back- und Frontoffice?
Eine sehr große. Moderne Einzahlsysteme ermöglichen es, Bargeld dort zu sichern, wo es entsteht – direkt am POS oder im Backoffice. Das spart Zeit, senkt Sicherheitsrisiken und reduziert den Aufwand für Kassenabschlüsse und Abholungen erheblich. Lösungen wie ALVARA Interactive Cash Control (ICC) für Retailer schaffen Transparenz über die Bargeldbestände und geben Händlern wie Dienstleistern ein genaues Bild über den täglichen Geldfluss. Gerade in Zeiten, in denen die Margen unter Druck stehen, sind das Effizienz- und Effektivitätsgewinne, die sich unmittelbar auszahlen.
Der Rückbau von Bankfilialen und Einzahlsystemen zwingt viele Händler, ihre Bargeldprozesse neu zu denken. Welche Rolle können Wertdienstleister hier übernehmen?
Der Rückzug der Banken aus der Fläche verändert den Bargeldkreislauf massiv. Wenn Filialen schließen und Cash-Recycling-Systeme reduziert werden, müssen Unternehmen alternative Wege finden, um ihre Bargeldeinnahmen sicher und effizient abzuführen sowie sich bei Bedarf mit Wechselgeld zu versorgen. Hier können Wertdienstleister gezielt ansetzen – mit Einzahl- und Abholkonzepten, die auf den jeweiligen Betrieb abgestimmt sind. Für den Handel, aber auch für andere Bargeldbranchen eröffnet sich so eine nachhaltige Lösung, die Sicherheit und Komfort vereint.
Sie sprechen von Effizienz und Kundennähe – welche Chancen sehen Sie für mittelständische Wertdienstleister innerhalb des BDGW, um gemeinsam die Branche zukunftsfähig zu machen?
Ein zentraler Punkt ist die Standardisierung und Harmonisierung von Prozessen. Heute nutzen viele Unternehmen noch sehr unterschiedliche Systeme, Formate oder Abläufe für Einzahlungen, Abholungen oder die Kommunikation mit Wertdienstleistern. Das erschwert Transparenz und bindet Ressourcen auf beiden Seiten.
Ziel sollte sein, Schnittstellen zu vereinheitlichen und digitale Plattformen zu etablieren, über die alle Beteiligten – vom Händler über den Wertdienstleister bis hin zur Bank – sicher und effizient zusammenarbeiten. Genau hier entstehen große Chancen: Wer diese Prozesse vereinheitlicht, schafft nicht nur Effizienz, sondern auch Vertrauen und Nachvollziehbarkeit.
2026 – Was es mit sich bringt
Welche Rolle spielt die Digitalisierung in Ihrem operativen Geschäft — etwa bei Tourenplanung, Kundenkommunikation oder im Cash-Management? Und wird sich diese 2026 ändern?
Im aktuellen operativen Geschäft gewinnt die Digitalisierung zunehmend an Bedeutung – sowohl im Frontoffice als auch im Backoffice. Bei uns liegt heute sowie in 2026 der Schwerpunkt insbesondere auf Verwaltungsprozessen, aber auch auf Kundendialog sowie Mitarbeiterbetreuung und -bindung.
Im Backoffice-Bereich bedeutet das konkret, dass Prozesse wie Tourenplanung, Fahrzeug- und Fahrereinsatz, Abrechnung und Logistik zunehmend digital unterstützt werden. So lassen sich Medienbrüche und manuelle Prozesse vermeiden, Daten fließen automatisiert und in Echtzeit.
Im Frontoffice wiederum profitieren Kunden, Partner und Mitarbeiter von digitalen Kommunikationskanälen, Self-Service-Portalen, transparenten Statusmeldungen und automatisierten Workflows – etwa beim Cash-Management oder in der Wertdienstleistung.
Nachhaltigkeit wird auch in der Sicherheits- und Logistikbranche wichtiger. Welche Maßnahmen setzt BS Beck bereits um — etwa bei Fuhrpark, Energie oder sozialem Engagement?
Sowohl im operativen Alltag als auch auf strategischer Ebene gewinnt Nachhaltigkeit für uns an Bedeutung. Zentral ist das Thema Fuhrpark. Unsere Service-Teams im Geld- und Wertdienst – insbesondere im Interventionsdienst – sind zunehmend mit E-Fahrzeugen unterwegs.
Auch im Bereich Energie arbeiten wir aktiv daran, unsere Umweltbilanz zu verbessern. An unseren Standorten setzen wir auf den Einsatz von Photovoltaik, um eigenen Strom zu erzeugen und den Verbrauch konventioneller Energieträger zu reduzieren.
Darüber hinaus sind wir nach ISO 14001 zertifiziert. Dieses Umweltmanagementsystem bildet für uns den verbindlichen Rahmen, um ökologische Ziele systematisch zu verfolgen, Risiken zu reduzieren und kontinuierliche Verbesserungen sicherzustellen.
Wie gehen Sie mit dem Thema Mitarbeitersicherheit und -bindung um? Welche Werte sind Ihnen als Arbeitgeber besonders wichtig?
Ich habe es eingangs bereits erwähnt: Unsere Mitarbeiter sind maßgeblich für unseren Unternehmenserfolg verantwortlich. Daher sind ein wertschätzender Umgang, individuelle Entwicklungsmöglichkeiten und die Einbindung in Unternehmensfragen selbstverständlich. Finanziell dürfen wir diese Wertschätzung zum Teil mit übertariflicher Bezahlung und einem Prämiensystem ausdrücken. Außerdem versuchen wir unser Team durch Corporate Benefits, Jobrad, betriebliche Altersvorsorge und vieles mehr zu entlasten.
Was möchten Sie den Lesern — insbesondere anderen mittelständischen Unternehmen in der Branche — mit auf den Weg geben?
Bleiben Sie optimistisch. Auch wenn sich die Zahlungslandschaft verändert, bleibt Bargeld ein wichtiger Bestandteil unseres Alltags. Der Schlüssel liegt in Innovation und Zusammenarbeit. Dafür sollten Bargeldakteure Softwareanbieter aktiv in die Gleichung einbeziehen. Denn digitales Bargeldmanagement öffnet neue Türen. Wer das Bargeldgeschäft als Dienstleistung versteht, die Effizienz, Sicherheit und Kundennähe verbindet, wird auch in Zukunft erfolgreich sein.
Danke Ihnen sehr, Herr Dr. Lehnert, dass Sie sich die Zeit genommen haben, Ihre Einschätzung mit uns zu teilen.
Sehr gerne.
Zur Person
Dr. Markus Lehnert ist seit 2009 Geschäftsführer in den Unternehmen der UGL und innerhalb der Geschäftsführung verantwortlich für den Bereich der Geld- und Wertdienstleistungen. Darüber hinaus ist er seit 2018 im Vorstand der BDGW Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste.